| By Dedicated One, Walls of Fire
Aus der Metalformation LAST WARNING hervorgegangen, treiben EYES SEE RED nun bereits seit 1996 ihr Unwesen im Underground und legen uns nach dem Debüt „Embrace It“ (1999) und der Split „Tiburon“ (2003) das Zweitwerk „Beyond the Realm of Sanity“ vor. Obgleich ich mich seltenst auf Band- und Albuminfos verlasse, beschreibt die Formulierung „komplexer, doch eingängiger Death Metal“ ganz gut, was einen in den nächsten 35 Minuten erwartet. Dabei fällt es jedoch schwer, dem thrashig angehauchten Gebräu Vergleichsobjekte zuzuordnen, denn immer, wenn man siegessicher einen Bandnamen auf den Lippen hat, belehren uns Gitarrist Matthias und Co. eines Besseren und warten mit einer neuen Eigenart auf. Bereits der Opener „Rapture“ zeigt, dass die Schweizer nichts von monotonen Dauer- Blastbeats halten und vielseitig agieren, sowie beispielsweise bei „Madness Sweet Madness“ eine Vorliebe für häufige Tempowechsel offenbaren. Auch wenn ich kein Freund des Homebangings bin, verleitet letzt genannter Song doch ungemein zur Schädelrotation, denn seine Midtempoparts reißen mit und machen Hunger auf mehr. Fernab von gezwungen megaböse vermittelt das Züricher Trio Freude am Spiel und Liebe zur Musik, die die gesamte Platte relativ enthusiastisch klingen lässt. Zahlreiche Instrumentalpassagen, die nicht nur das tighte Spiel der Band vor Augen führen, sondern bei „Borderline“ auch mal jazzig daherkommen, bringen Abwechslung in das vor allem im Mittelteil starke Album. Man kann auch ganz anders, wie ein witziger Ausflug in den Wilden Westen bei „Broken Cycle“, das mit bewusst rotzigen Riffs aufwartet, zeigt. Bei den letzten beiden Tracks hat der Sangesmann sich noch einmal extra an Zigarette und Whisky gelabt und schreit sich abschließend alle schlechte Laune aus der Kehle. Die sollte euch bei „Beyond the Realm of Sanity“ auf jeden Fall vergehen, denn auch wenn das Produktionsbudget kein Soundwunder hergab, legen uns EYES SEE RED eine Scheibe vor, die das Prädikat „gelungen“ verdient und auch textlich nach eurer Aufmerksamkeit verlangt. FAZIT: Talentierte Death Metal Fraktion, der die Spielfreude direkt ins Gesicht geschrieben steht. 4/5 |